Missions und COVID-197 Minuten Lesezeit

Missions und COVID-197 Minuten Lesezeit

In 11 Tagen wären wir eigentlich auf unsere Missionseinsätze nach England und Mexiko losgefahren. Die Vorbereitungen lagen in den letzten Zügen, Hotels, Mietwägen, Flüge, alles war soweit gebucht. Auch unsere kompletten Abläufe waren bereits geplant.

In dieser Zeit hatten wir ein wenig einen Blick darauf was in der Welt mit COVID-19 passiert. Wir waren zwar aufmerksam, hatten aber nie das Gefühl, dass das einen großen Einfluss auf unsere Trips haben wird. Andere Trips, wie nach Südkorea oder Italien wurden dann aber doch abgesagt und nach alternativen für die Studenten auf diesen Trips gesucht. Vermutlich eine gute Idee wenn man sich ansieht wie die Situation dort war.

Letzten Sonntag war ich dann mit ein paar Freunden frühstücken und einer von ihnen hat in unserem Gespräch erwähnt, dass die Stadt wohl gefragt hatte ob wir unsere Reisen absagen können um das Virus nicht einzuschleppen. Denn auch wenn es in Kalifornien mittlerweile doch einige Fälle gibt sind wir hier oben aufgrund der geographischen Lage etwas geschützt. Danach hatte ich schon das Gefühl, es könnte sich die nächsten Tage etwas an unseren Trip-Situationen ändern. Bethel hat eine sehr enge und gute Beziehung mit der Stadt, an der über Jahre gearbeitet wurde und die für die Gemeindeleitung einen sehr hohen Stellenwert hat.

Dienstag habe ich dann erfahren, dass es ein zusätzliches Meeting der Gemeindeleitung geben wird, bei dem über das weitere vorgehen entschieden werden sollte.

Mittwoch vormittag war es dann soweit: es kam eine Email an alle Studenten im dritten Jahr, in der sie aufgefordert wurden zum Beginn der Schule entweder in das erste oder zweite Jahr zu kommen um sich aktuelle Informationen über die Missionseinsätze in Anbetracht der aktuellen Situation weltweit anzuhören. Kurz darauf kam eine Nachricht meiner Mentorin und Trip-Leitrein, dass ich früher zur Schule kommen solle.

In diesem Moment war mir klar: wir gehen nicht auf unseren Trip. Zuerst war ich ziemlich enttäuscht und auch wütend weil ich der Meinung bin, dass wir damit eine Chance verpassen, der Welt zu zeigen, dass wenn wir mit Gott unterwegs sind uns kein Virus oder sonst etwas irgendwas etwas anhaben kann. Aber gut, ich bin nicht der, der die Ansagen macht. Zum Glück, weil man doch echt viele Faktoren beachten muss.

Am Ende denke ich, dass unsere Leitung hier die Entscheidung getroffen hat, die sie für die beste hielten, auch wenn sie ihnen selbst nicht gefallen hat.

Für uns ist es nur einfach wirklich schade, nicht auf unsere Trips gehen zu können in unserem letzten Jahr hier. Nicht nur weil es der letzte ist, sondern auch weil wir dieses Jahr aufgrund unserer Position deutlich mehr involviert sind als die Jahre zuvor. Das ist nicht irgendein Trip, nein, es ist mein Einsatz, der abgesagt wurde. Bei mir kommt noch dazu, dass auch noch fast unser komplettes Team mitgekommen wäre und das ist ja auch schön, wenn man zum Abschluss des Jahres noch einmal so etwas zusammen machen kann.

Christina wurde Anfang des Jahres von einer Freundin, die ihr drittes Jahr in Texas in einem Gefängnis macht, gefragt ob sie nicht Lust hätte ein Team dorthin zu bringen. Dort gibt es eine Schule wie unsere innerhalb des Gefängnisses und sie hätte die Möglichkeit gehabt dort in die Menschen zu investieren. Leider involviert die Entscheidung auch alle Trips innerhalb der USA und deshalb kann das auch nicht stattfinden. Sie ist sehr traurig darüber weil sie schon fleißig am planen und träumen war bevor sie dann im April dort hin geflogen wäre.

Leider gibt es wohl keine Möglichkeit, dass Bethel das Geld, welches für die Einsätze eingezahlt wurde wieder zurückzahlt. Im Moment ist auch noch nicht klar, wie viel denn überhaupt zurück kommt oder wo das Geld bei Hotels, Fluggesellschaften oder sonstigem bleibt. Wir sind auf jeden Fall für jeden einzelnen Euro, der uns von euch gespendet worden ist extrem dankbar und beten nach wie vor, dass Gott euch dafür reich segnet und wer weiß wo das Geld am Ende landet und was dadurch gutes getan wird?

Für Mittwoch Nacht war schon vor einer Weile eine Lobpreisnacht geplant gewesen. Es war richtig gut zu sehen, wie wir als komplette Schule uns trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb erst recht, zusammen getan haben Gott die Ehre zu geben, obwohl wir einfach nur geschockt und anklagend zuhause hätten sitzen können. Stattdessen haben wir uns entscheiden in groß zu machen. Es war wirklich eine wertvolle und geniale Zeit, die wir zusammen haben durften.

Dieses Schuljahr war nicht einfach für uns als Schule und Community hier. Mit dem Tod der kleinen Olive (2-jährige Tochter einer der Lobpreis Leiterinnen der Gemeinde) und nun das Ende unserer Reisen bevor sie überhaupt angefangen haben. Aber eins haben wir dadurch gelernt: Egal was passiert Gott ist immer noch gut und er verschwendet nichts. Nach den Gebeten für Olive hat sich hier einiges geändert. Jeder von uns fühlte sich lebendiger, dankbarer und näher an Gott. Sind wir mal gespannt, was er diesmal durch diese eher negative Zeit unter uns tut.

Die letzten Tage waren dann wirklich interessant und wir konnten viel lernen… Wie leite ich Menschen durch eine Enttäuschung von der ich auch betroffen bin und ich selbst am liebsten erstmal alles verarbeiten möchte? Wie geht es weiter? Was passiert mit der Schule, wie machen wir das? Fragen über Fragen, zu denen ich zunächst keine Antwort hatte und bei vielen davon musste ich auch einfach abwarten.

Mit der Entscheidung Präsident Trumps für 30 Tage keine reisenden aus Europa mehr ins Land zu lassen war dann auch klar, dass eine Entscheidung pro-Trips nicht haltbar gewesen wäre, schließlich will man uns ja zur Graduation wieder zurück in der Schule haben und wer weiß wo wir dann sind.

Seitdem hat sich viel getan:

  • Die Gottesdienste am Wochenende sind alle abgesagt weil der Staat Kalifornien von allen Veranstaltungen mit mehr als 250 Personen abrät. Es wird trotzdem einen bzw. mehrere Gottesdienste geben, die dann über den Tag online ausgestrahlt werden.
  • Schule findet weiterhin statt, aber in einem abgespeckten Programm bei dem sichergestellt wird, dass nie zu viele Menschen auf einmal in der Schule sind und dann eben rotiert wird über den Tag, sodass jeder zur Schule kommen kann. Auch gibt es für jedes Stockwerk separate Eingänge und Parkplätze um Kontakte zwischen den Menschen zu verringern.
  • Wir sind angehalten in der Stadt zu bleiben oder wenn wir reisen, dann zwei Wochen von der Schule fern zu bleiben.

Wir sind gespannt wie es weitergeht und was sonst noch alles passiert die nächsten Wochen. Wir sehen, dass viele einfach entscheiden kleine Hausgruppen zu haben und selbst Gottesdienste veranstalten anstatt darauf zu warten was wird. Selbst mein England Team trifft sich freiwillig zusätzlich. Ist es nicht schön wenn wir einfach mündig handeln und nicht darauf warten, dass uns von irgendwoher etwas vorgeschlagen wird.

Hier noch der Link zum offiziellen Statement von Bethel:

Trump Rede von Mittwoch Abend und aktuelles zum Stand in den USA:

Eine Resource, die ich hilfreich finde um einen Überblick über die aktuelle Lage zu haben:

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