Bericht Kurzeinsatz Texas Christina7 Minuten Lesezeit

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Im Zeitraum 27. März – 4. April war ich in Lubbock Texas. Das Abenteuer begann schon damit das wir uns um 2:30 Uhr in der Nacht getroffen haben und im strömendem Regen und Gewitter nach Sacramento gefahren sind. Der Flug nach Lubbock Texas mit Umstieg in Las Vegas war eigentlich unspektakulär aber für mich eine Gelegenheit, mich der Flugangst zu stellen und sie zu überwinden. Es war ein triumphierendes Gefühl, alleine zu Reisen ohne jemanden neben mir zu haben dem ich in den Arm beißen kann oder sollte. Ich saß neben einem älteren Herren dessen Aussehen und Persönlichkeit war, wie man sich einen Cowboy im einem Film vorstellt. (Nicht „Der Schuh des Manitu“) Er war sehr interessant, nett und total witzig. Wir haben uns die ganze Zeit unterhalten und das Gespräch wurde sehr tiefgründig und persönlich.

Während des Trips haben wir in Gastfamilien übernachtet. Ich wurde sehr herzlich empfangen von einem Ehepaar in meinem Alter mit 5 süßen Kindern genau genommen 4 Töchtern und einem 5-jährigen Sohn. Er hat mir für die Zeit sein Zimmer mit Spiderman Bettwäsche überlassen und fast jeden Morgen an meine Tür geklopft und sich nach meinem Wohlergehen erkundigt. Ich habe versucht möglichst viel von meiner Freizeit mit der Familie zu verbringen und mit den Kindern zu spielen.

Ohne Zeit zu verlieren hatten wir gleich am Abend unseren ersten Einsatz, geplant war, dass wir den Lobpreis am Anfang und die Gebetszeit am Ende übernehmen würden. Aber bei unserem Eintreffen hat der Leiter der Gemeinde spontan entschieden uns das komplette Programm zu überlassen. Wir hatten 5 min. Zeit um ein Thema (Prophetie), Geschichten aus unserem Leben und eine praktische Übung vorzubereiten. Wir haben diese Herausforderung gemeistert.

Am nächsten Tag haben wir uns zuerst ausgiebig Zeit genommen, mit Mitarbeitern und Leitern einer anderen Gemeinde zu beten und Eindrücke weiter zu geben und am Nachmittag einen Anonyme Alkoholiker Treff besucht. Der Raum war voll mit Menschen mit Suchtproblemen, Ihren Mentoren und einigen Angehörigen. Man könnte die Verletzungen in den Leben der einzelnen richtig spüren, wenn man ihnen in die Augen geschaut hat. Es war sehr bewegend all diese wertvollen und liebenswerten Menschen zu sehen und mir vorzustellen was aus denen wohl geworden wäre wenn sie nicht in solche Umstände geraten wären. Einige sind nach vorne an das Rednerpult gegangen, haben eine Münze abgeholt auf der die Dauer ihrer Abstinenz drauf stand und haben berichtet wie und mit wessen Hilfe sie es geschafft haben. Wir im Raum haben jeden Erfolg ordentlich gefeiert und bejubelt unabhängig von der Dauer der Abstinenz. Aus unserem Team sind drei Personen nach vorne, haben sich eine Münze von irgendwas über 10 und 25 Jahren abgeholt und kurz davon berichtet das sie mit Gottes Hilfe von Ihren Verletzungen geheilt wurden und nicht mehr das Bedürfnis hatten, sich mit Alkohol und Drogen emotional zu betäuben und Dank Ihres Glaubens neue Hoffnung und Visionen für ihr Leben bekommen haben. Diese wurden im Anschluss von einigen angesprochen die sich ermutigt gefühlt haben es auch so lange schaffen zu können.
Anschließen haben wir mit denen die bleiben wollten einen Lobpreisabend gehalten.

Am zweiten vollen Tag haben wir eine Business Konferenz durchgeführt unter der Leitung von einem unserer Teammitglieder, der seit einigen Jahren ein erfolgreiches Unternehmen so gut führt, dass er ohne Einschränkungen am anderem Ende Amerikas mit seiner Familie die Schule besuchen kann. Das Ziel war die Geschäftsleute in der Gegend zu ermutigen, ihnen ein paar praktische Tipps mit auf dem Weg zu geben und für sie zu beten. Einer der Konferenzteilnehmer hat erzählt, dass unser Tripleiter, der mit uns das zweite Jahr gemacht hat und aus dieser Stadt kommt, ihn letzten Sommer in den Semesterferien besucht hat und zum Abschied zu ihm gesagt hat „Ich wünsche dir Segen und Wachstum in deinem Business“ und seit diesem Tag konnte er klar nachweisen dass, sein Gewinn stetig angestiegen ist.

Anschließend sind wir in ein Gefängnis gefahren, in dem die Insassen bis zu zwei Jahre sind bis entschieden ist was mit ihnen passiert. Uns wurde dort erklärt das 80-90% selbst Opfer gewesen waren und viele ohne Vater aufgewachsen sind. Unser Ziel war es Ermutigung, Wertschätzung und Liebe zu vermittelnd indem wir uns Zeit genommen zuzuhören und zu beten. Ich habe für eine ganz junge Frau gebetet, die schwanger war. Ich durfte meine Hand auf ihren Bauch legen und hab das Treten des kleinen ungeborene Mädchens gespürt. Ich konnte meine Tränen nur kurz zurückhalten und später habe ich erfahren, dass sie das Gefängnis für die Entbindung verlassen darf aber dann wieder zurückkommen muss und ihre Tochter wird dann falls vorhanden von angehörigen abgeholt oder muss zu einer Pflegefamilie oder ins Kinderheim. Da ich im Frauenteil war habe ich noch mit vielen anderen Frauen geredet die ihre Kinder zuhause bei Ihren Männern lassen mussten oder bei anderen Angehörigen weil die Väter im anderen Teil des Gefängnisses ebenfalls inhaftiert sind. Die Gebetsanliegen waren unterschiedlich, einigen wollten Ermutigung und neue Hoffnung andere den Frieden sich damit abzufinden nicht mehr raus kommen zu können. Wir waren in unterschiedlichen Räume in denen jeweils ca. 72 Gefangene untergebracht waren. Mit kleinen Zellen drumherum oder offen mit ca. 30-40 Hochbetten in einem Raum, für diejenigen die etwas mehr Freiheiten haben. Die Frauen waren sortiert nach Gewichtung der Verbrechen. Einer der Räume ist mir besonders in Erinnerung geblieben, die Frauen waren besonders herzlich, witzig und total liebenswert. Wir haben uns viel zeit genommen, um mit ihnen zu reden, ihnen zuzuhören und zusammen zu beten und zu lachen. Ich wollte da gar nicht weg aber als wir dann auf dem Weg zum nächsten Raum waren haben uns die Wächter gesagt, dass das die richtigen heftigen Fälle waren und die meisten da sind, weil sie jemanden umgebracht haben. Erstaunlich war der sehr respektvoller, liebevoller und fast schon vertraut wirkender Umgang zwischen den Gefangenen und den Mitarbeitern. Das Gefängnis bietet auch ein großes Angebot an Klassen an z. B.: Kunst, Poesie, Schreiben, Antiaggression, Beratung, allgemeine Bildung, Berufsvorbereitung, Berufsvermittlung, Bibelklassen und Gottesdienste.

Der Hausmeister in dem Gefängnis hatte eine spannende Geschichte. Er gehörte mal zu den Bösen Jungs und bei einer Razzia wurden bei ihm so viele Drogen und Waffen gefunden das ihm 320 Jahre Gefängnisstrafe angerechnet wurden. Zeitgleich bekam er die ärztliche Diagnose, dass er nur noch drei Jahre zu leben hat. Der Richter gab ihn nur 3 Jahre, was ja dann für ihn lebenslänglich gewesen wäre. Noch im Krankenhaus hat er sich bekehrt, wurde durch ein Wunder geheilt und nach Absitzen seiner Gefängnisstrafe und sehr guter Führung arbeitet er jetzt dort.

Unsere Abfahrt von dem Gelände hat sich etwas verzögert weil eine von uns Ihren Autoschlüssel im Auto eingeschlossen hat und einen Schlüsseldienst bestellen musste. Ich könnte meinen Vorschlag nicht durchsetzen einfach wieder rein zu gehen und jemanden um Hilfe zu bitten.

Während einige von uns Pastoren und Leiter einer Gemeinde ermutigt haben waren andere bei einer Organisation, die sich „Traum Zentrum“ nennt. Ziel der Organisation ist es die Menschen aus der Abhängigkeit zur Selbstverantwortung zu bewegen, indem man erst mal ihre Grundbedürfnisse deckt, eine Beziehung aufbaut und dann ihnen hilft ihre emotionalen Bedürfnisse zu stillen. Dies geschieht auf unterschiedlichen Wegen z. B. in einem Wohnhaus für Frauen deren Leben aus dem Ruder gelaufen ist. Dort wird ein auf 15 Monate befristetes Programm angeboten. Die Frauen dort leben in einem sehr nobel eingerichteten Haus mit dem Ziel, ihr Selbstwertgefühl zu steigern oder wieder herzustellen. Sie müssen irgendwohin arbeiten gehen und zahlen Miete. Aber am Ende ihrer Zeit dort wird Ihnen die gezahlte Miete als Startkapital für ihr neues Leben mitgegeben.

Wir haben extrem viel leckeres und echtes texanisches Barbecue gegessen und auch die Zeit gehabt und die Stadt und ein paar Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Dabei ist mir ein eingezäunter Bereich aufgefallen mit dem Namen „Grace Campus“ Eine 6-monatige Übergangsunterkunft für ca. 75-90 Obdachlose. Früher hieß es Tent City (Zeltstadt) und bestand aus abgenutzten Armeezelte heute stehen auf dem Gelände kleine Hütten gesponsert von Firmen ausgestattet mit einem Bett, Schreibtisch und elektrischer Heizung. Es gibt ein zentrales Badezimmer und einen Speisesaal. Das Ziel ist es Hoffnung zu wecken, Werte zu vermitteln und diese Menschen dabei zu begleiten ihr Potenzial und ihre Fähigkeit zu erkennen und ein unabhängiges Leben zu führen, das sich positiv auf die Gesellschaft auswirkt. An diesem Projekt arbeiten alle gemeinnützigen Vereine zusammen, auch wenn sie sich sonst nicht verstehen oder einig sind.

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